Deutschland, wir müssen diesmal über etwas reden, das erstaunlich viele Männer für eine persönliche Kernkompetenz halten: Heimwerken.
Genauer gesagt über diesen einen Satz, nach dem vernünftige Menschen eigentlich sofort Werkzeug und Kreditkarte außer Reichweite bringen sollten:
„Das mache ich selbst.“
Denn zwischen „Das ist doch schnell erledigt“ und einem Raum, in dem plötzlich Kabel aus der Wand hängen, drei Baumarktquittungen verschwunden sind und niemand mehr genau weiß, warum überhaupt eine zweite Wasserwaage gekauft wurde, liegen manchmal nur wenige Stunden.
Genau hier setzt „Sorry, Deutschland – Hartmut macht das selbst“ an. Das Buch ist kein Heimwerkerratgeber und keine Anleitung für Renovierungsarbeiten. Es ist Satire über Heimwerkerstolz, Baumarktlogik und jene überschätzte Kompetenz, die immer dann besonders zuverlässig auftaucht, wenn jemand einen Akkuschrauber besitzt. Eigentlich soll nur ein Raum renoviert werden Im Café 47 gibt es einen zusätzlichen Nebenraum. Er wird gebraucht und müsste eigentlich nur renoviert werden. Streichen, ein paar Kleinigkeiten reparieren, vielleicht etwas anpassen. Nichts Großes.
Findet zumindest Hartmut.
Denn wozu sollte man jemanden beauftragen, wenn man vieles davon auch selbst machen kann? Was als überschaubares Projekt beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Renovierung, bei der jede erledigte Aufgabe zuverlässig zwei neue hervorbringt. Eine Wand ist schnell gestrichen, wenn der Untergrund mitspielt. Eine Lampe ist schnell angebracht, wenn klar wäre, welches Kabel wohin gehört. Und ein Besuch im Baumarkt dauert natürlich auch nicht lange. Man muss nur vorher wissen, was man braucht.
Hartmut weiß das meistens. Bis er dort ist.
Das Ensemble im Café 47
Natürlich bleibt Hartmut mit seinem Projekt nicht allein. Martin möchte helfen, informiert sich gründlich und entdeckt dabei immer neue Produkte und Methoden, die vorher niemand vermisst hat. Roman macht aus dem Nebenraum schnell ein gestalterisches Konzept und stellt fest, dass ästhetische Vorstellungen gelegentlich an Dübeln, Leitungen und Wandstärken scheitern. Fränzi erkennt früh, dass das Ganze aus dem Ruder läuft, entwickelt aber trotzdem ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie es am Ende aussehen sollte.
Konstantin stellt lieber einmal zu viele Fragen, bevor jemand etwas abschraubt, das später möglicherweise noch gebraucht wird. Und Joe beobachtet, notiert und ist zunächst überzeugt, dass ihn die ganze Sache nichts angeht.
Natürlich geht sie ihn irgendwann doch etwas an.
Das Café 47 bleibt der Mittelpunkt. Hier wird geplant, diskutiert, Werkzeug abgestellt, Material gelagert und regelmäßig erklärt, warum der aktuelle Zustand eigentlich nur eine Zwischenlösung ist.
Satire über Heimwerkerstolz und Selbstüberschätzung
„Sorry, Deutschland – Hartmut macht das selbst“ handelt von diesem erstaunlich stabilen Vertrauen in die eigene praktische Vernunft.
Ein bisschen streichen kann schließlich jeder. Ein Regal bekommt man auch noch an die Wand. Und wenn man schon dabei ist, kann man das andere gleich mitmachen.
Genau dort beginnt das Problem.
Aus einer kleinen Renovierung wird ein Projekt. Aus einem Werkzeug werden mehrere. Aus einer Fahrt zum Baumarkt werden weitere. Und aus der ursprünglichen Rechnung, wie viel Geld man durch Eigenleistung spart, wird irgendwann eine Zahlenkolonne, über die lieber niemand mehr spricht.
Hartmut gibt trotzdem nicht auf.
Denn das wäre ja noch schöner. Das Buch nimmt genau diese Situationen auseinander: falsche Sicherheit, halbes Fachwissen, Werkzeugbegeisterung, spontane Planänderungen und den bemerkenswerten Ehrgeiz, ein Problem lieber selbst drei Stunden lang zu lösen, als jemanden zu fragen, der es in zwanzig Minuten könnte.
Und wie immer liegt der Reiz darin, dass man vieles davon kennt. Von Freunden, Nachbarn, Familienmitgliedern oder von diesem einen Projekt, bei dem man selbst irgendwann gesagt hat:
„So schwer kann das doch nicht sein.“
Holen Sie sich jetzt „Sorry, Deutschland – Hartmut macht das selbst“ als Taschenbuch und begleiten Sie Hartmut und die Runde aus dem Café 47 bei einer Renovierung, die eigentlich ganz einfach werden sollte.
Eigentlich.

